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Sachs Franken Classic 2009
Von Administrator | 14. 06. 2009
Ein Gastbeitrag von HP Bunz
Fahren wie Gott in Franken – so der Slogan von Karlheinz Schott für seine Rallye rund um die Seniorenhochburg Bad Kissingen. Über das Pfingstwochende promenierten entlang der Fränkische Saale außer einer nicht näher bezifferten Anzahl von Kurgästen beiderlei Geschlechts auch 153 unerschrockene Rallyeteams, um die ausgesprochen anregende Region mit wunderschönen alten Autos und entsprechenden Fahreinlagen aufzufrischen.
Unter den 112 Klassik- und 41 Sport-Teams fanden sich neben den üblichen Verdächtigen auch einige lokale Größen und natürlich auch 7 Teams von uns, dem Classic Rallye Cup. So waren Hoffnungen auf beste Platzierungen von vielen Teams zu vernehmen – manche Equipe startete etwas übermotiviert in den zum Glück nicht zur Gesamtwertung zählenden Prolog, der auch Teile der Vorjahresstrecke wiedergab. Am Ende des Tages standen jedoch wieder bekannte Namen auf dem Treppchen.
Der gemeinsame Abend war herrlich und sehr unterhaltsam. Vielleicht sollte man zukünftig über eine Lautstärkenbegrenzung bei den Musikanten nachdenken. Was auf keinen Fall geändert werden sollte ist das große Büfett, das ähnlich ambitioniert umrundet wurde wie die davor liegenden Sonderprüfungen.
Am nächsten Morgen standen die Zeichen auf Sturm als die Fahrzeuge im Minutentakt auf die große Runde “Naturpark Hassberge und Steigerwald” gingen. Das Wetter spielte der entgegen anderslautender Meldungen nicht nur der Offenfahrer-Fraktion in die Hände und die Strecke führte auf ausgesucht schönen Straßen durch das Frankenland. Anzumerken ist, dass es entlang der gesamten Rallye immer besonders erfreulich war, mit den Zuschauern in Kontakt zu kommen. Davon gab es reichlich und die positiven Reaktionen werden noch lange in bester Erinnerung bleiben.
Ansprechende Überführungsetappen wechselten sich mit spannenden Wertungsprüfungen ab – neben einer Kartbahn gab es Rundkurse zu befahren, Schnittprüfungen zu absolvieren und einiges an Lichtschranken zu treffen. Selbst Freunde mit Ori-Ambitionen konnten sich an einer Kartenaufgabe erfreuen.
Am Abend wurde aus dem Hotel Frankenland ein Rallyecamp. Die Wartezeit bis zur Bekanntgabe der ersten Ergebnisse wurde mit einem nahrhaften Abendessen verkürzt und die damit einhergehende Weinprobe war eine gute Werbung für den fränkischen Wein. Nach einer musikalischen Einlage gab es die ersten Sieger zu feiern; die Besten der bereits absolvierten Sonderprüfungen wurden nach vorne gebeten. Endlich wurde die mit Spannung erwartete Tageswertung im Foyer ausgehangen und aus potenziell 150 Führenden wurden innerhalb weniger Minuten 149 Verfolger und ein armer Gejagter. Bis spät in die Nacht wurden Angriffspläne geschmiedet, Roadbooks optimiert und Strategien entwickelt. Aus gut unterrichteten Kreisen erhielten wir die Nachricht, dass ein Teilnehmer noch vor der Königsetappe am Sonntag ein mehrstündiges Lichtschranken-Intensivtraining aufgenommen hat.
Am Sonntag kam die Rallye zuerst nicht so richtig auf Touren. Die erste Wertungsprüfung durchs Fränkische Weinland musste annulliert werden, nachdem einige Teilnehmer auch nach mehreren Versuchen den im Roadbook benannten Abzweig an der versprochenen Stelle nicht zu finden vermochten. Kleiner Fehler, große Wirkung – Respekt in diesem Zusammenhang an den Veranstalter, der, nachdem ihm das Malheur zu Ohren kam, sofort diese WP per SMS annullieren ließ.
Missmut in den Cockpits konnte dennoch nicht aufkommen, wenige Minuten später war die erste echte Herausforderung des Tages erreicht, eine Rollprüfung. Dieser eher leisen Sonderprüfung folgte eine Rennstrecke für Sollzeitfahrer, die gleich beherzt wahrgenommen wurde. Eindrucksvoll und höchst ansehnlich wuchtete die Mehrzahl der Teilnehmer ihre Fahrzeuge um den Parcours.
Es folgte erneut ein spektakulärer Markt-Grand-Prix und bevor man sich von der teilweise sehr engen Streckenführung so richtig erholt hatte, fand man sich in einer weiteren Orientierungsaufgabe wieder. Wer wollte, konnte sich vorher noch mit Met und danach mit Wein stärken, was in Maßen genossen durchaus im Sinne des Veranstaltungsmottos war.
Die Entscheidungen fielen in Schweinfurt auf dem letzten Stadtparcours. Zuerst wurden die Fahrzeuge dem Publikum gekonnt vom Streckensprecher präsentiert, dann konnten die Stoppuhren und zuweilen auch die Reifen rauchen. Mit der Sonderprüfung des Steigenberger Hotels – einer Schlauchprüfung, endete die Rallye in der Bad Kissinger Fußgängerzone.
Das Résumé: Well done, Sc(h)otty!
Die Siegerehrung brachte dann die ganze Wahrheit an den Tag. Wie die CRC- Teams abgeschnitten haben, ist schnell erklärt: Zwischen Himmelhoch jauchzend bis in ernsten Schwierigkeiten gab es so ziemlich alle Facetten des Rallyepechs zu bewundern.
Besonders vom Pech verfolgt waren die Pryms. Einem rauchenden Anhänger folgte das nächste Übel und damit einhergehend die Erkenntnis, dass man ohne Tachoantrieb schlechterdings eine Kalibrierung durchführen kann. Die Teilnahme war gefährdet. In Ihrer Not hatten Sie mit vielem gerechnet, aber nicht mit dem Sportsgeist der Stegemanns.
Was die anderen Teilnehmer während der Rallye nicht ahnen konnten – der Paarlauf der beiden traumhaften XK-Jaguars hatte System. Nur so war es Axel und Andrea Prym ohne Tacho und Tripmaster erst möglich geworden, die Rallye überhaupt zu fahren. Und am Ende der beiden Tage stand fest, dass die Guten immer belohnt werden. Die kürzlich zu Sanduhrfahrern konvertierten Stegemanns beendeten die Rallye auf Platz 3 der Sanduhrklasse – und das mit Handicap, Respekt. Und der 15. Platz der Prym’s ist in diesem Zusammenhang aller Ehren wert!
Auch das Team Koch / Heinrici bot mit Ihrem ultraschnellen und dabei so unauffälligen Karmann Ghia Besonderes. Unser Kamerad aus dem hohen Westen sah sich das erste Mal in seiner noch jungen Rallyefahrer-Karriere mit Lichtschranken konfrontiert. Zu seinem Glück konnte er auf seinen versierten Beifahrer vertrauen. Albrecht Heinrici führte seinen Rookie so behutsam durchs Terrain, dass ein 8. Platz in der Sanduhrklasse herauskam.
Die tapferen Kämpfer Bunz und Thiele mit Ihrem herrlich untermotorisierten Käfer Cabrio hatten mehr mit sich als mit der traumhaften Strecke, den anspruchsvollen Rundkursen und dem wirklich begeisterten Publikum entlang der Strecke zu kämpfen – erst nach dem zweiten Beinaheeinschlag in einen gelben MG entschieden die Luftboxer, es etwas langsamer angehen zu lassen. Die späte Erkenntnis wurde nicht belohnt. Nach einem furiosen Start im Prolog (2. Platz) wurde man langsam aber sicher nach hinten auf den Boden der Tatsachen durchgereicht, Platz 5 in der Sanduhrklasse war dennoch ein akzeptables Ergebnis.
Die Redels tauchten heuer gleich im englischen Rudel auf. Sowohl der mit Peter und Stefan Redel besetzte wunderschöne TR 4 als auch der von Heidi Redel und Marius Jung eingesetzte Cooper S wurden ambitioniert bewegt. Ein vierter und ein siebter Platz in der Open Sport Klasse waren ein vorzeigbares Teamergebnis.
Besonderen Einsatz in Sachen Publikumserfreuung boten die Herren Nusser und Drenznyk. Grosses Kino auf der Strecke wurde von den beiden mit großem Einsatz an den Lichtschranken gepaart. Lohn der Arbeit war neben der ansteigenden Platzierungskurve auch ein Dauergrinsen quer durch das sportliche Cockpit. So sehen echte Angreifer aus! Neben sehenswerten Drifteinlagen des tiefliegenden Entenbürzlers sei an das aufregende Porsche Duett mit Klaus Schepper erinnert. Wo Rauch ist, ist auch Feuer: am Ende der Veranstaltung nahmen die Beiden einen Pokal für einen sehr verdienten 2. Platz in der Sanduhrklasse mit nach Hause – was übrigens mit dem 3. Gesamtrang einherging.
Apropos Porsche. Mit Platz 3 bei den “Klassikern” konnte das Team Henglein /Röhtel einen weiteren Pokal einfahren. Der Klassenwechsel brachte den verdienten Erfolg. Und zu glauben, dass der rote RSR dadurch weniger spektakulär durch Franken fliegen würde als bisher, sah sich angenehm enttäuscht.
Das Toyota–Team M+M Eiselt hatte seit dem Roßfeld hörbar nachgeschärft. In der aktuellen Saison mit einem angeblich von Willi Potjans gelieferten Rallyedackel im Team verstärkt, endete die Reise durch das Frankenland mit Pokalen. Sieg “Elektronisch” und ein zweiter Platz in der Gesamtwertung ließen das erfolgverwöhnte Trio nicht wirklich kalt.
Wo von guten Platzierungen berichtet wird, muss auch der von allen Gejagte erwähnt werden. Im aktuellen Fall waren das –keine echte Überraschung– mal wieder die Wohlenbergs. Der Umstieg von Mercedes auf Alfa Romeo hat nicht geschadet. Trotz kleinerer technischer Malaisen gelang es daher niemand, die beherzt auffahrenden Sekundenspalter ernsthaft in Schwierigkeiten zu bringen. Nicht erst seit dieser Saison lassen es die Beiden zwar anständig brennen, aber sie lassen sehr zum Leidwesen der Anderen eben gar nichts anbrennen! Gratulation für den schnellen und supergenauen Ritt durch den gesamten Parcours.
Spät ging die offizielle Party zu Ende und so mancher Teilnehmer glühte in der hoteleigenen Bar noch zusammen mit den Siegern etwas nach. Am Montagmorgen wurden die Kurgäste ein letztes Mal von den betörenden Klängen der Oldtimermotoren an das Event erinnert und die abreisenden Teilnehmer fanden in überwältigender Mehrzahl Ihre Hoffnung bestätigt: auch die zehnte ZF Sachs-Franken war eine genussvolle Zeitreise. Ein dickes Lob an die Veranstalter und die Helfer, bis nächstes Jahr.
luftgekühlte Grüße aus Augsburg
Hans P. Bunz
Bilder: HP Bunz und SFC Fotogalerie
Kategorien: CRC, Gastbeitrag, Sachs Franken Classic | 5 Kommentare »








14. 06. 2009 um 22:36
Lieber Bunzelmann,
toller Kommentar und toll, dasz Du Dich dazu entschlossen hast !!! Hoffentlich gibts zahlreiche Nachahmer, wir sollten uns ueberlegen, ob es einen Extrapunkt pro Artikel für die CRC Wertung geben sollte (@Jens). Und natuerlich KHS (”Schotti”) – spielt in einer eigenen Liga, was die Veranstalter anbelangt: Sport + Feiern + Sponsoren + Region / Zuschauer. Chapeau
Viele Gruesse
Karsten
14. 06. 2009 um 23:06
Hallo Karsten,
wieder mal Bestzeit für dich! Das Lob für den Artikel gehört aber eher Jens, er hat den Bericht schamlos eingefordert:-)
Den Extrapunkt nehme ich – bei Eurer Fahrerei nimmt man ja alles, was irgendwie Punkte bringt.
Euch viel Spass auf der Südwest – auf den Bericht bin ich jetzt schon gespannt,
liebe Grüße
Schdembele
15. 06. 2009 um 11:22
HP,
als Kommentator bist du mein Held!
Nach der Lektüre ist auf einmal die Erinnerung wieder da
… An jede Lichtschranke
… an tolle GLP´s mit und ohne Navi
… an Käfertreten bergauf und Drifteinlagen bei jeder sich bietenden Gelegenheit (wir hatten es chronisch untermotorisiert IMMER eilig – im Rahmen des Möglichen von 44 fliegenden und automatikgetriebenen Käfer-Mustangs)
… an tausende winkende Hände
… an Olli´s luftgekühlten Mega-Sound-Boxer (Gänsehaut – auch endlich haben wollen)
… an das Treffen, Reden Austauschen, Lachen mit all den lieb gewonnenen Freunden aus der Rallye-Szene
… an die größten Sportsmänner und -frauen (Stegemann/Prym: Großartiger Sportsgeist, beispeilhaft)
…Und nicht zuletzt an die Sonne, die uns in den Käfer schien und sicherlich die eine oder andere Hirnzelle verdunsten ließen – oder waren das etwa die Getränke???
Danke für die tollen Minuten des Lesens an einem wolkenverhangenen Montagmorgen im office und die Bereicherung im blog.
PS: Nette Idee von Karsten, dafür Wertungspunkte zu vergeben – score betty, score!
KT
15. 06. 2009 um 13:15
OK, ich pack mir dann schon mal 10 Punkte mehr auf mein Konto, der eine sei Dir gegönnt, HP.
jj
15. 06. 2009 um 20:20
jj, auch die 10 Punkre gebühren Dir – allerdings sollten wir auf eine Publikation auf der PuP / CRC Seite bestehen
Gruß Karsten